InfoStartet jetzt auch AMAZON eine Hexenjagd auf den Independent Film?

Amazon Video Direct und Amazon Prime Video haben begonnen Filmtitel von Independent Filmemachern offline zu nehmen. Weltweit.
19. Januar 20191564

Klingt wie eine BILD Überschrift, aber irgendwie trifft es leider zu.

Amazon Video Direct und der Amazon Prime Kanal haben begonnen Filmtitel von Independent Filmemachern offline zu nehmen. Und das weltweit.

Die Begründungen sind nur nichtssagende Floskeln. Gab es vorher schon. Da störte Amazon schon mal ein kleiner Nippel-Blitzer oder etwas zu viel Blut auf dem Artwork. Retusche und wieder eingereicht und man war online. Das ist jetzt nicht mehr möglich, denn das Wichtigste ist der berühmte letzte Satz: „Der Titel darf nicht noch einmal eingereicht werden“. Bamm!

Das erinnert extrem stark daran wie YouTube anfing die monetarisierung von Videos zu unterbinden. Auch damals unter dem „Deckmantel“ das die Videos angeblich nicht einem gewissen Standart entsprechen ect… ect.

Jetzt scheint das selbe auf Amazon Video Direct zu passieren.


Bemerkt haben wir als Verleiher das bereits seit Ende 2018, aber seit Anfang des Jahres 2019 erwischt es einen Titel nach dem Anderen.

Amazon und Netflix posaunen aktuell ja raus, dass sie sich auf eigenen Content konzentrieren wollen und pumpen Summen jenseits der 15 Milliarden (in 2019) in die Produktion eigener Serien und Spielfilme. Die gesamte Streaming-Landschaft scheint sich aktuell zu verändern und das nicht zum Guten für den Indie-Filmemacher.

Wir waren jahrzehntelang durch die Strukturen der Verleiher (Kino-Video-DVD) blockiert, die Macht war nahezu Grenzenlos. In den 80´oder 90´ern einen eigenen Film zu „Releasen“ war schier unmöglich. Wenn man Glück hatte ging es über ein paar Festival-Gewinne Aufmerksamkeit zu erzeugen. Aber den Film an ein breites Publikum zu bekommen war schlicht nicht möglich. Dann kam das Internet und mit Ihm YouTube und Co. Die letzten 10 Jahre waren gut. Das heißt, gut für uns Filmemacher, aber schlecht für die großen Player im Business. Ich meine, klar, ist schon heftig, wenn man statt 23.000.000.00 USD nur noch 22.999.999.99 USD verdient – diese Indie-Filmer versauen einem echt alles.

Hinzu kommt, man mag es nicht glauben wie frech die Indie-Szene ist, die drehen einfach neue Geschichten. Stellt euch das vor. NEUE GESCHICHTEN? Wie blöd ist das denn, wo uns die Schafe… ich meine Kinogänger doch zeigen, dass Remakes von Remakes Milliarden an den Kinokassen machen. Wer braucht da neue Geschichten oder neue Gesichter?!

Und jetzt? Kino & Co. sterben aus, die Streaming Dienste werden immer größer, die Fernseher zuhause sind technisch eh schon weit über dem Standard der meisten Kinos. Was bleibt den Großen also anders übrig als ihr Revier zu markieren. Es fing an bei YouTube, da wurde es schwerer und schwerer für Indie-Filmer mit Werbung wenigstens ein paar Cent zu verdienen und endet jetzt vielleicht damit, dass der größte VOD-Dienst Amazon Prime einfach sein Video Portal für den Indie-Film zumacht.

Das Schlimme daran finde ich gar nicht, dass sie das tun. Bin selbst seit mehr als 20 Jahren im Filmgeschäft, das ist normales Geschäftsgebaren. Schlimm finde ich als Filmemacher unser Publikum. Und jetzt wende ich meinen Kommentar um 180° mit einer neuen bösen BILD Schlagzeile:

KUNDE TÖTET HANDEL

Jawohl, das größte Problem des Independent Filmemachers sind nicht Drehgenehmigungen, Behörden, zu wenig Budget oder große Filmverleiher. Nein, das größte Problem eines Independent Filmemachers ist sein PUBLIKUM!

Zuallererst einmal geht jeder davon aus, dass ein Filmemacher Millionär ist. Das stimmt allerdings genauso wenig, wie die Tatsache das jede Indie-Band mit dem Privatjet zu ihrem Gig fliegt und abends im Hotelzimmer in Koks badet. Independent Filmmacher und Musiker sind zu 99% ganz normal arbeitende Mitmenschen, die in Ihrer Freizeit mit dem ersparten Geld eben nicht nach Mallorca fliegen, sondern einen Film drehen oder ein Album aufnehmen. Mit anderen Worten, sie sind absolute Idealisten.

Dem entgegen steht der KUNDE. Der Kunde von Independent Filmen ist zum großen Teil auch gegen den Mainstream. Das liegt in der Natur der Sache. Mainstream Böse – Independent Gut. Klingt erst mal ziemlich klar definiert. Aber genau hier liegt das größte Problem. Denn wenn der Filmemacher und/oder die Band es endlich geschafft haben ihr Projekt fertig zu stellen, dann bleibt denen doch nichts anderes übrig als das Projekt auf den bekannten Plattformen zur Verfügung zu stellen und zu verkaufen.

Na ja und das macht man natürlich erst mal auf einer kleinen unabhängigen Plattformen wie z.B. Vimeo.com. Da hat man wie es sich gehört die volle Kontrolle, muss keine Rechte an große Firmen abtreten und kann direkt an den Filmfan liefern. Klingt gut. Nur interessiert das den Kunden nicht. Der ist nämlich gegen den Mainstream. Und für Filme und Musik GELD zu bezahlen, das ist ja so was von 1990 und Mainstream.

Und dann merkt man als Filmemacher: Moment, keine Sau leiht oder kauft den Film. Man bekommt aber tagtäglich dutzende E-Mails und Kommentare unter seine inzwischen verzweifelten Werbepostings auf Facebook die da lauten: Wann kommt der Film endlich auf AMAZON oder YouTube. Finde geil was ihr macht. Vimeo kostet aber Geld und ich habe die 2,99 echt grad nicht übrig, außerdem muss man da seine Kreditkartennummer angeben, ach nö. (Send from my new $1200 iPhone).

Was tat man die letzten Jahre also als Filmmacher: Man setzt den Film ebenso auf die großen Plattformen wie Amazon Prime und YouTube. Denn was will man in erster Linie als Idealist? Man will, dass das Projekt gehört und gesehen wird. Und jetzt schlägt es wieder zurück. Plötzlich sehen sich den Film tausende Leute an und laden die Musik runter. Aber als Macher bekommt man von den großen Diensten nur CENT-BETRÄGE für Hunderte von Views. Peanuts. Aber jeder glaubt man bekommt Unsummen von den zig Milliarden Umsatz die da immer in den Börsennachrichten kommen. Nein, diese Milliarden bleiben beim Anbieter. Und als Krönung wird man noch dazu geächtet, denn man hat sich ja jetzt letzten Endes doch mit den Großen zusammengetan, dem MAINSTREAM.



Wisst ihr eigentlich wie schwer es ist so etwas hier zu schreiben und ruhig und gelassen zu bleiben?!

Auf Amazon bekommt man pro gestreamte STUNDE (60min) 0,06 Euro. Mit anderen Worten, der Kunde bekommt einen Film von 90 min zum Preis von 9 Cent. Vor Steuer wohlgemerkt. Auf YouTube sogar weniger– je nach aktivierter Werbeblocker-Software. Aber geil oder? Endlich zeigen wir dem Mainstream wo der Hammer hängt. Internet ist frei und muss frei bleiben. Macht weiter so ihr Filmemacher und Musiker. Ihr seid das Sprachrohr der neuen Bewegung.

Natürlich sind nicht alle so und jeder der das hier jetzt liest sagt sich: Ich doch nicht, ich verstehe das. Ich weiß, dass auch ein Filmemacher oder Musiker Geld braucht zu leben, ebenso wie ein Bäcker oder Anwalt. Aber warum zahlt dann keiner?

Ich sag euch warum. Weil die Kunden und Gegner der großen bösen Firmen und des Mainstreams genau eben diesen Firmen Tag für Tag auf den Leim geht. Sie bieten euch kostenlosen Zugang zu Millionen von Titeln – ihr könnt zwischen „Game of Thrones“ und dem „Dschungelcamp“ zappen ohne dazu eine Kreditkartennummer einzugeben. Alles da und in unbegrenztem Umfang. Wer aber glaubt, dass das kostenlos ist, der glaubt auch die Erde ist eine Scheibe.

YouTube ballert euch mit Werbung zu, Facebook verkauft eure Daten, Amazon kassiert über die Prime Mitgliedschaft und Netflix erhöht Jahr für Jahr seine kundenfreundlich abgebuchte Gebühr. Und jetzt haben sie es geschafft uns unabhängigen Filmemacher von sich abhängig zu machen und schließen ihre Portale. Mit anderen Worten wir alle zusammen haben das Schwert selbst geschmiedet mit dem wir gerade erschlagen werden.

Alles was da draußen getan werden müsste, um dieses System zu durchbrechen ist, sich mit einem Filmmacher und/oder Musiker so auseinanderzusetzen, wie man es mit seinem Bäcker tut. Man geht hin, sucht sich sein Brötchen aus und bezahlt es.

Danke,
Matthias Olof Eich

1 Handgranut2 Handgranuts3 Handgranuts4 Handgranuts5 Handgranuts Ø: 4,26

Matt

We are Indie... and we are Nuts!

Startet jetzt auch AMAZON eine…

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