InterviewKünstler des MonatsKünstler des Monats: Groundswimmer

Ohne Schnörkel und Pathos, so wollen sie die Welt verändern...
3. August 201975
Über die Band

Groundswimmer aus München.

Ohne Schnörkel und Pathos, so wollen sie die Welt verändern. Oliver mit seiner sanften bis whisky-rauen Stimmfarbe, Michi mit seinen tiefen Bass Lines, André mit seinen tragenden Riffs und Johannes mit treibenden akzentuierten Rhythmen. Geprägt von Grunge, Country, etwas Stoner Rock und Einflüssen aus dem Folk, sorgen sie in ihrer Musik für viel Abwechslung, ohne ihre musikalische Identität zu verändern, welche an Rockgrößen à la John Butler Trio, Pearl Jam und Stone Temple Pilots erinnert.

Interview

20 Termine für 2019 – ihr seid aktuell gut beschäftigt. Ich will ja nicht mit der Tür ins Haus fallen, aber ich tu es 😀 Kündigt sich da vielleicht ein neues Album an?

Wenn man bedenkt, dass seit unserem letzten Album „Rocket“ mittlerweile drei Jahre ins Land gezogen sind, wird es wohl langsam Zeit, dass wir uns diesbezüglich zurückmelden. Tatsächlich stecken wir aktuell voll im Songwritingprozess. Es wird noch ein wenig dauern, da wir auch dieses Mal wieder mehr als zehn Stücke veröffentlichen wollen und uns der Besetzungswechsel am Bass im letzten Jahr ein wenig ausgebremst hat. Wir werden die Wartezeit bis zur Veröffentlichung im nächsten Jahr allerdings mit einer Singleauskopplung im November verkürzen.

Man sagt ja die Umgebung prägt auch die Musik die man macht. Lasst uns mal der Tatsache ins Auge fassen, dass ihr in einer nicht ganz günstigen Stadt lebt. Independent und München, ist das nicht langsam ein Widerspruch? Wie seht ihr als Münchener die musikalische Entwicklung in der Landeshauptstadt? Und wie prägt euch eure Münchner Umgebung?

Sagen wir es mal so: eine urban geprägte, in einem Problemviertel entstandene Hardcore-Band könnten wir tatsächlich nur bedingt verkörpern. Wir sind fast alle in München aufgewachsen, insofern hat uns die Stadt in unserem Entwicklungsprozess sicherlich einen gewissen Stempel aufgedrückt. Auf unsere Musik hat dies jedoch keinerlei Auswirkungen. Im Gegenteil. Wir verarbeiten sehr oft Erfahrungen und Eindrücke, die wir auf Reisen sammeln konnten oder die aus zwischenmenschlichen Situationen entstehen in unseren Songs.

Natürlich gehört München nicht zu den günstigsten Pflastern, aber es geht ja um die Einstellung zur Sache. Da sind wir schon sehr idealistisch und es gibt hier viele Grünanlagen und fließendes Gewässer. Gepaart mit tollen Bauwerken lädt das Flair dazu ein, viel Zeit an der Luft zu verbringen. Dafür benötigt man nicht viel. Außerdem bleibt München auch eine Stadt, in der eine rege Studentenkultur herrscht. Mit Institutionen wie dem Backstage, Milla, Feierwerk usw. gibt es auch genügend Anlaufstellen für eine pulsierende Livemusik-Landschaft. An den Möglichkeiten sollte es also eigentlich nicht scheitern. Ziehen wir mal einen Vergleich zum Pilgerzentrum der Republik, Berlin. Dort sprießen Bands wie Gras aus dem Boden und für individuelle Künstler wird es umso schwieriger, sich aus der Masse heraus durchzusetzen. Natürlich besitzt auch München eine qualitativ sehr gute Musiker-/Bandszene. Nur die Anzahl der Acts im Allgemeinen hält sich vergleichsweise in Grenzen. Und damit hat auch das Publikum eine Chance, Newcomer auch wirklich noch für sich zu entdecken.

Kann man sich in München noch einen Proberaum überhaupt leisten?

Ja, man kann. An einem anderen Ort auf diesem Globus würde man für das gleiche Geld zwar vermutlich ein Apartment beziehen können, aber das ist eine andere Sache…

Wie läuft bei euch eine typische Bandprobe ab?

Wir nutzen zur Vorbereitung schon seit längerer Zeit eine What´s App-Gruppe. Dort wird in der Regel ein kurzer Plan für die anstehende Probe abgestimmt, also welche Songs wir uns vornehmen oder ob wir am Songwriting arbeiten wollen. Dort tauchen auch immer wieder neue Ideen und Demotracks auf.

Ansonsten grooven wir uns mit ein paar Standardsongs auf den Abend ein. Danach wird es dann meistens recht laut und fast immer sehr produktiv.

Wenn wir schon bei Abläufen und Ritualen sind. Habt ihr ein festes Ritual vor euren Konzerten?

Oh, da gehen alle ein bisschen unterschiedlich vor. Johannes zum Beispiel zieht sich gern ein wenig zurück und bereitet sich im Stillen auf den Gig vor. André besaitet fast immer seine Gitarre neu. Ansonsten wird aber viel untereinander kommuniziert. Sofern auch andere Bands mit von der Partie sind, findet man uns während ihrer Shows auch immer im Zuschauerraum.

Mal abgeschweift von all den Live Trouble. Euer Album Rockt aus dem Jahr 2016 ist eine 15 Track starke Platte. Wer schreibt bei euch die Songs und wie läuft es bei euch ab?

Mittlerweile kennen wir uns nach all den Jahren schon sehr gut, da ist das Songwriting wirklich zu einem Gemeinschaftserlebnis geworden. Meistens läuft es so ab, dass zum Beispiel Michi eine Idee zu einem Riff und einem möglichen Songablauf hat und daran arbeiten wir dann gemeinsam weiter. Olli kommt häufig mit sporadisch instrumentieren Vorschlägen, bei denen der Text und die Gesangsmelodie schon weitestgehend fertig sind zur Probe. Dann besteht die Aufgabe darin, einen Song im eigentlichen Sinn daraus zu erschaffen. Meistens verändern sich die ersten Visionen mit jeder Probe dramatisch, bis aus einer ersten, rudimentären Idee, ein vollwertiger Song geworden ist. So kann es passieren, dass ein als Ballade ausgelegter Track zur Stadionrock-Hymne umfunktioniert wird und umgekehrt.

By the way: Rocket hat ein klasse Artwork! Es erinnert mich an den Filmklassiker Metropolis von 1927 und wir wären ja nicht IndieNuts wenn wir nicht auf darauf eingehen. Wer war der Künstler hinter dem Cover?

Danke! Hinter dem Artwork steckt unser Olli, der in seiner Freizeit leidenschaftlich gern malt und Portraits zeichnet. Die Inspiration zum Artwork kam uns während eines Indien-Aufenthaltes Anfang 2016, also wir dort für den Videodreh zu „Roadhouse Blues“ auf einem Hausboot unterwegs waren. Nach Abschluss des Drehs machten wir noch ein paar Tage Urlaub auf Sri Lanka und waren eines Abends in einer Burger-Bar beim Essen. Dort hingen überall diese Vintage-Filmplakate an den Wänden und der Style machte uns irgendwie auf Anhieb an. Zudem passt die Umsetzung ja recht gut zum Albumtitel.

Seid ihr selbst Filmfans?

Klar! Als Inspirationsquelle für unsere Musik dienen sie aber weniger.

Welchen Film würdet ihr den Lesern von IndieNuts ans Herz legen wollen?

Ganz klar: Into The Wild. Neben einem erstklassigen Soundtrack verfügt dieser Film über herausragende Darsteller und erzählt eine sehr ergreifende Geschichte von einem Aussteiger. In vielen Punkten deckt sich die Message mit einigen unserer Lyrics und nicht zuletzt unseren persönlichen Interessen.

Jungs, vielen Dank für eure Zeit und dass ihr uns einen Einblick in euer Bandleben gegeben habt.

Galerie
Musikvideo - Roadhouse Stop

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Künstler des Monats: Groundswimmer

by Patrick Jahns time to read: 9 min
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