Künstler des MonatsKünstler des Monats: Gustav Ljungdahl

Interview mit dem schwedischen Requisitenbauer und Filmemacher Gustav Ljungdahl
1. Februar 201945
Name
Gustav Ljungdahl
Country
Sweden
Art
Propsbuilder and Indie-Filmmaker

Interview

Hallo Gustav, danke, dass du dir die Zeit für dieses Interview genommen hast. Du bist ein Mann vieler Talente und noch mehr Projekten und daher sehr schwer zu erreichen. Wie schaffst du das überhaupt, alle diese Projekte unter einen Hut zu bekommen?

„Eine gute Frage. Mein Schlüssel, um Dinge zu erledigen, ist das aktive Beenden der Dinge, die ich beginne. Es gibt also eine Liste, die ich mache, die mich an Dinge erinnert die ich tun muss. Ich habe kein Highspeed-Internet wo ich wohne, also kann ich mich nicht von Dingen wie Netflix ablenken lassen. Skripts zum Beispiel brauchen sehr viel Arbeit, da ich einige Ideen habe die von Zeit zu Zeit auftauchen. Also schreibe ich sie in Kurzform auf und bearbeite sie langsam zu einem vollständigen Skript. Das sind oft witzige Situationen oder Dialogideen, die ich im Grunde miteinander verbinde.“

Du entwickelst und baust Requisiten, arbeitest an Skripten und wäre das nicht genug, fütterst du auch noch deinen YouTube-Kanal mit Material. Gib es zu, du hast eine Klonkammer und es gibt mehr als einen Gustav da draußen. Habe ich Recht?

„Ich wünschte, ich hätte diese Technologie um mich selbst zu klonen, das würde das alles viel einfacher machen. Das YouTube-Ding funktioniert gut, weil ich die Kostüme und Props eh mache und gleichzeitig dabei filme. Und wenn ich etwas aus einer Idee mache, versuche ich es in zwei bis drei Tagen zu produzieren. Wie ich sagte. Ich habe viel Zeit und keine Ablenkung.“

Ich bin neidisch. Ich wünschte, ich könnte mich zwingen öfter offline zu gehen. Ich habe das Gefühl, das ist wie ein kreativer „Energy Drink“.

„Ist es. Es verleiht einem Flügel.“

Lass uns über „Root of Darkness“ sprechen. Ich habe ihn vor gut einem Jahr gesehen und es ist in der Tat eine Hommage an „Evil Dead“. Aber was war dein Ziel mit dem Film?

„Root of Darkness“ ist mein vierter Spielfilm, ich habe bisher sechs gemacht. Die Geschichte hinter „Root of Darkness“ war ein Witz, der größer wurde und am Ende zu einem Film wurde. Der Witz war: Was wäre, wenn Ingmar Bergman einen Horrorfilm (Evil Dead) drehen würde? Also schrieb ich das Skript, während ich fast alle seine Filme sah, um im gleichen Stil seiner Dialoge zu schreiben. Als wir in der Produktion waren, merkten wir, dass es besser ist mehr Monster einzufügen anstatt an den Dialogen festzuhalten. So entstand „Root of Darkness“ wie wir ihn heute kennen.“

Was waren deine Aufgaben/Bereiche in diesem Film?

„Eine bessere Frage wäre: Was habe ich nicht gemacht! Jasper und ich hatten einen 90-10-Anteil: Ich machte Kostüme, Effekte, Filmen, Schnitt, Co-Writing und kleine Schauspiel Rollen. Es mag ungerecht erscheinen, aber es funktioniert. Ich würde gerne mit mehr Leuten zusammenarbeiten, die mir helfen können. Aber die fehlen mir hier.“

Aber das klingt ja geradezu nach einem echten Indie-Filmemacher. Was ist deine Intension hinter dem Filmemachen und wie lange dauert es sie zu produzieren?

„Ich möchte im Grunde immer einen Film machen, den ich selbst sehen möchte. Ich denke, das ist die beste Art, Filme zu machen. Und meine Filme zu produzieren dauert normalerweise ein Jahr von Anfang bis Ende. Ich denke, wenn es länger dauert, würde ich wahrscheinlich das Interesse daran verlieren.“

Stimmt, ich kenne das Gefühl selbst. Je länger eine Produktion dauert, umso mehr schweift der Geist ab zu neuen Projekten. Lass uns über deinen YouTube-Kanal sprechen. Persönlich könnte ich dir Stundenlang zusehen, wie du den ganzen Tag Dinge baust. Ich mag deine Art und deinen trockenen Humor in deinen Videos. Ich habe auch das Gefühl, dass Sie auch eine One-Man-Show sind. Richtig?

„Ja, das YouTube-Ding ist völlig improvisiert und ja, ich mache alles selbst. Ich filme einfach von einem Stativ in der Werkstatt. Außerdem sind die meisten Kreationen ja Sachen, die ich in meinen Filmen verwenden werde. Also doppelter Gewinn.“

Kannst du uns etwas genauer erzählen, wie du eines dieser Videos machst?

„Wie bereits erwähnt, fangen die YouTube-Videos an, indem ich etwas baue, das ich so brauche oder gebeten wurde zu bauen und filme es so. Das ist nie etwas, dass ich plane und wenn ich fertig gebaut habe, filme ich alle die Sachen, die ich dazu benutzt habe. Am Ende dann das Intro und Outro, schneide alles zusammen und reduziere auf das Wesentliche, sodass es interessanter wird und am Ende knall ich einfach ein improvisiertes Voice-Over drauf und fertig.“

Das neue Projekt ist ein Roboter oder Android, richtig?

„Ja, es ist ein Android für eine der Shorts von Mark Ratering“.

Du bist der Ausstatter für diesen Kurzfilm?

„Ja, und der Regisseur und viele andere Jobs.“

Warum frag ich überhaupt 😊 Du arbeitest ja mit allen Arten von Materialien. Und als ständiger Zuschauer deines Kanals bin ich mir sicher du benutzt auch einen 3D Printer.

„Ich habe dieses Jahr einen gekauft und es ist in der Tat ein gutes Werkzeug, um Teile herzustellen, die schwierig zu machen sind. Und billig.“

Das ist Hightech, man. Ich bin begeistert.

„Nun, ich habe gesehen, dass dieser Printer eine Menge automatisierte Funktionen hatte. Ich bin schrecklich mit Computerzeug. Also habe ich beschlossen diesen zu kaufen. Und ja. 3D-Druck ist die Zukunft des Bauens.“

Genial. Gib uns einen Hinweis. Was können wir in naher Zukunft von Gustav erwarten?

„Was in der Zukunft von mir zu erwarten ist? Das ist eine gute Frage. Hoffentlich schaffe ich es, etwas mehr Aufmerksamkeit zu kommen und Finanzierungen um Filme von besserer Qualität zu machen. Es würde schon genial sein, Leute zu finden mit denen man zusammenarbeiten kann. Mein Problem ist das mich die meisten Leute nicht ernst nehmen.“

Gustav, ich muss absolut ehrlich zu dir sein. Das war auch mein erster Gedanke, als ich dich zum ersten Mal traf. Wenn du dich erinnern kannst, trafen wir uns beide auf einer Horror-Konvention in Deutschland. Du hast unseren Messestand besucht und zeigtest einen Trailer für einen Film der gerade in Entwicklung war. Warte. Ich muss genauer sein: Du kamst in der Menschenmenge den Flur entlang… hast an unserem Stand angehalten… schautest dich um… schautest uns an… positioniertes dich exakt vor uns und begannst eine Videodatei auf deinem Tablet abzuspielen. Nachdem der Trailer 3 Minuten später fertig war, bekamen wir ein Lächeln von dir, du klappst das Tablet zu und gingst. Meine Kollegen und ich schauten uns an und fragten uns „Was zum Teufel !?“

Das war der Moment, an dem ich dir im Jason-Bourne-Stil nachschlich, um deinen eigenen Messestand zu finden, und dort habe ich neben dir auch Ola Paulakoski, Anders Hasselroth, Jonas Wolcher und Kim Sonderholm getroffen. Sozusagen das „Who is Who” des skandinavischen Indie-Films.

Grandios. Dieses Business ist so voll von Schwachsinnigen und Leuten, die nur Rollen spielen und das Tag für Tag, dass es eine Freude war jemanden wie dich zu treffen, der sich nicht dafür interessierte was andere über ihn denken. Eines Tages werden wir alle sowieso gezwungen sein, dich ernst zu nehmen.

„Dem habe ich nichts mehr hinzuzufügen :)“

Gustav, vielen vielen Dank für dieses Interview. Und wir bei IndieNuts sind wirklich gespannt, was wir demnächst von dir zu sehen bekommen.

„Ich danke euch.“

Galerie
CreditsRegisseur
1Social Media Massacre2017
2Root of Darkness2016
3Kill Team 2013
4Jaws of the Shark 2012
5Rape Man: The Night Humper2008
Credits Ausstattung
1The Dead Man's Mound pre-production
2Reyes filming
3Skatecop post-production
4Attack of the Cyber Octopuses2017
5Vogon Poetry: Dangers of Space2017
6ABCs of Superheroes2015
7Cannibal Fog2014
8Rape Man: The Night Humper2008
Trailer

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Künstler des Monats: Gustav L…

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