Vorgestellter KünstlerKünstler – Nikolai Will

Schauspieler Nikolai Will über seine schwierigste Rolle, Hindernisse in der Branche und sein altes Ich
6. April 2019211
Über Nikolai

Nikolai Will wurde am 25. Mai 1981 in Kulmbach geboren. Er arbeitetet als Filmschauspieler und Hörbuchsprecher.

Von 1999 bis 2002 nahm er privaten Schauspielunterricht bei Andreas Buettner von der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ Berlin.

Der in Köln lebende Schauspieler wirkte in mehr als 300 Projekten mit und gewann bereits mehrere Auszeichnungen.

Interview

Nikolai, ich freue mich dich auf IndieNuts als Künstler des Monats präsentieren zu können. Du warst inzwischen ja in über 300 Sprechrollen zu sehen. Welche Rolle hat dich rückblickend am meisten gefordert?

NW – Ja, wohl gut und gerne über 300 Parts, aber oft „der Letzte im Abspann“: Werberollen, Sketchparts usw. machen dann doch einiges aus. Am meisten gefordert hatte mich 2010 die Rolle eines Pädophilen in dem  Salzburger Abschlussfilm „Kleines Püppchen Teddybär“. Da hatte ich dann das erste Mal mit nem Schauspielcoach gearbeitet, um mich in den Charakter reinversetzen zu können, ohne wirklich die Gedanken desjenigen denken zu müssen oder schlimmer noch, solche Gedanken in mir selbst finden zu müssen. Das sind dann Untiefen, die man nicht ausloten möchte für eine Rolle.

Wie sieht bei dir das Rollenstudium aus?

NW – Bin eher der Schauspieler, der vom Äußeren ins Innere geht. Muss wissen, wie die Figur aussieht, möglichst immer anders als ich privat, desto mehr kann ich mich öffnen. Bin deswegen immer etwas empfindlich, wenn gesagt wird: Bring Kleidung von zu Hause mit, in meinen Alltagsklamotten kann ich kein Anderer sein. Generell finde ich es aber schade, dass Wandelbarkeit eher in Deutschland nicht gefragt ist bzw. es einem Schauspieler, der noch nicht so bekannt ist, nicht zugetraut wird. Erstmal muss man seine Schublade finden, um Geld zu verdienen.

Du bist nicht nur Filmschauspieler, sondern stehst auch regelmäßig auf den Brettern, die die Welt bedeuten. Was liegt dir mehr? Kann man das überhaupt vergleichen?

NW – Theater habe ich lange nicht mehr gespielt, aber hätte wieder Lust. Auf der Bühne zu stehen ist schön, weil man da eine Figur am Stück durchspielen kann und ein unmittelbares Feedback erhält. Andererseits bin ich halt auch so ein Sammlertyp und möchte gerne das was ich gemacht habe mir danach ins Regal stellen können oder vielleicht mal jemanden später zeigen können. Das geht mit einem Theaterstück eher schwer. Und ich habe einfach viel mehr Vorbilder im filmischen Bereich. Ganz weit vorne, der viel, viel zu früh verstorbene Philip Seymoure Hoffman!!

Worin siehst du aktuell die Schwierigkeiten für Schauspieler?

NW – Da weiß man gar nicht wo man anfangen soll, das bräuchte nen ganz langen Aufsatz. Kunst ist eben doch oft brotlos. Gagen sinken immer mehr, Besetzungen die immer nur auf Nummer sicher gehen, unfassbar hohe Abzüge und ich glaube immer noch eine gewisse Unehrlichkeit der Schauspielkollegen untereinander, denn bei jedem läuft es ja Prima, „das nächste Projekt ist gerade in Arbeit“ usw., solange wir untereinander nicht ehrlich reden, beißen wir uns ins eigene Fleisch.

Wer dir auf Instagram folgt, sieht, dass du gerade sportlich richtig loslegst und eine beeindruckende Bodytransformation hingelegt hast. Was war Anlass dafür?

NW – Habe gut gedreht mit den zuletzt 112 Kilo, aber an den 330 Tagen, an denen ich nicht gedreht habe, war es Sch…mit so nem Körper rumzulaufen. Außerdem war es sehr demütigend, dauernd nicht ins Kostüm zu passen. Wenn am Set erst 5 Hosen anprobiert werden mussten, bevor was passte. Nicht zu vergessen die Drehbuchbeschreibungen meiner Charaktere: “
Dicker schwitziger Computerexperte schiebt sich ein Pizzastück nach dem Anderen rein…“. Gesundheitlich war es auch ne Katastrophe: Kein Tag ohne Sodbrennen, dauernd Husten, weil mir Magensäure durch den dicken Bauch in die Speiseröhre lief, Depressionen. Und den Sommer habe ich gehasst, weil mein unförmiger Oberkörper in jedem Shirt katastrophal aussah.

So eine Verwandlung bedarf enormer Konsequenz und Durchhaltevermögen. Wie motivierst du dich immer wieder?

NW – Ich kann nicht mehr ohne Sport, mittlerweile ein wichtiger Bestandteil meines Lebens!

Reis, Gemüse und weißes Fleisch? Oder wie sieht dein Ernährungsplan aktuell aus?

NW – Viel Eiweiß, so 1,5 bis 2 Gramm pro Kilo und versuche viel stilles Wasser zu trinken, ein Espresso vorm Sport auch nicht schlecht. Kurbelt alles toll den Stoffwechsel an. Intervallfasten mache ich auch immer wieder. Allgemein ist Ernährung und Schokolade aber tatsächlich ein großer Schwachpunkt von mir, sonst wäre ich noch viel weiter, trotzdem 23 Kilo sind runter 7 bis 10 sollen noch runter.

Kommen wir zurück zur Schauspielerei, welche Rolle würdest, du gerne einmal spielen?

NW – Eine die für mich geschrieben wurde, weil es für die Person keinen Anderen gibt, der diesen Part optimal verkörpern kann. Wenn ein talentierter Schauspieler die richtige Rolle bekommt und dann noch das Glück hat an eine fähige Regie zu geraten, sind viele von uns zu preiswürdigen Performances fähig!

Welche Rollen würdest du definitiv ablehnen?

NW – Habe schon einiges abgelehnt. Zum Bsp. werbe ich nicht für Zigaretten, Alkohol, Parteien oder die BILD. Hasse es auch wenn Thematiken reißerisch ausgeschlachtet werden, Figuren vorgeführt, diskriminiert werden.

Was ist deiner Meinung nach das Wichtigste, um auf dem riesigen Markt als Schauspieler zu überleben?

NW – Ein Branding, etwas was dich einzigartig macht. Möglichst vielen sollte zumindest ein Satz zu deiner Person einfallen, ein Adjektiv. Ich versuche mich sehr in einer komödiantischen Ecke zu positionieren und bin der Typ mit den „Anekdoten aus meinem tragischen Leben.“

2015 wurdest du vom Internetportal Horrorfilmdarsteller.de zum „Horrorfilmdarsteller des Jahres“ gewählt. Bist du jemand, der privat gerne Horrorfilme schaut?

NW – Ja, wenn auch in den letzten Jahren nicht mehr soo viele. Je mehr Schlimmes auf der Welt passiert, desto weniger Bock auf Horror.

Welchen Horrorfilm sollte man unbedingt gesehen haben?

NW – Erwarte mir aktuell im Kino viel von „WIR“!

Danke, dass du dir so spontan Zeit genommen hast für das kurze Gespräch. Abschließend wollen wir natürlich wissen, wo und wann sehen wir dich wieder? Gibt es vielleicht ein geheimes Indie-Projekt an dem du gerade arbeitest?

NW – Zuerst seht ihr mich ab 17. April in der neuen „Mens Health“, etwas das sich mein dickes Ich nie vorstellen konnte und ich darf bald eine tolle Preisnominierung verkünden für meine erste eigene Kurzfilmproduktion „Ohne Dich“. 🙂 Es sind tatsächlich -floskelfrei- gerade 2 eigene Projekte in der PreProduction. Man muss seine Karriere selbst in die Hand nehmen, zum Macher werden.

Fotos: Daniel Dornhöfer und Klaus Rosen

Auszeichnungen
2000: Bayerischer Jugendfilmpreis für seine Rolle in dem Kurzfilm Seeking Philipp
2010: Goldene Rheinnixe des Studiengangs Film und Fernsehen der MHMK Köln für die Rolle eines Autisten in Hier spricht Rupert.
2015: Auszeichnung des Internetportals Horrorfilmdarsteller.de als „Horrorfilmdarsteller des Jahres“

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Patrick

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